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Der südlichste Punkt - Cape Agulhas


Wie viele Menschen unterliegen dem Irrtum, der leider auch von verschiedenen Printmedien geschürt wird, dass das Kap der Guten Hoffnung der südlichste Punkt des Kontinents sei und sich nur hier der Atlantik und der Indische Ozean treffen. Nein, das Kap der Guten Hoffnung ist der südwestlichste Punkt Südafrikas und wird ausschließlich von den Atlantikwellen umflutet, die angetrieben vom kalten Benguela-Strom mit antarktischem Wasser um die Klippen tosen und dort auf den Agulhas-Strom treffen, der von Osten warmes Wasser heranführt. Beeindruckend geschildert hat dieses Phänomen Frank Schätzing in seinem Buch „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“.

 

Unser heutiges Ziel ist zunächst aber Kleinbaai. Wir müssen bereits um 7.45 Uhr dort sein, um pünktlich auf das Ausflugsboot zu kommen. Da Alex uns begleiten wird, besteht für mich keine Veranlassung, mir den weißen Hai anzusehen, denn ich habe beschlossen, den Hund nicht allein im Auto zu lassen. Ich gebe zu, ich bin nicht scharf auf dieses Raubtier und verbringe meine Zeit liebe auf festem Boden. Es ist stockdunkel und kalt, als wir um 5.30 Uhr von Milnerton losfahren. Wieder wird mir klar, warum ich so ungern im Dunkeln in Südafrika Auto fahre. Sobald wir die Stadt mit ihren beleuchteten Straßen hinter uns lassen, wird es ungemütlich. Die Fahrbahnmarkierung ist nur schlecht zu sehen, falls überhaupt vorhanden. Die gelben Striche heben sich nicht gut ab. Die Mittelmarkierung ist mit Katzenaugen ausgestattet, da fällt die Orientierung etwas leichter. Erschreckend sind allerdings zum großen Teil die entgegenkommenden Fahrzeuge. Viele haben defekte Lampen, oder die Scheinwerfer sind so eingestellt, dass mir der Lichtschein direkt in die Augen leuchtet. Andere fahren mit Fernlicht, oder haben eine Festbeleuchtung eingeschaltet: Statt Abblendlicht strahlt Fernlicht, unterstützt von Nebelscheinwerfern und Strahlern, die auf dem Dach montiert sind. Hinter dicken Lastwagen schleichen wir den Sir Lowry´s Pass hinauf, der im Hellen eine wunderbare Aussicht auf Gordons Bay liefert. Zumindest das Lichtermeer der Straßen zeigt uns die Stadt. Wir fahren die Nationalstraße 2 bis Botrivier und biegen dann auf die Regionalstraße nach Hermanus ab. Ich bin froh, dass ich diesen Weg schon einige Male gefahren bin, denn so weiß ich in etwa, wie die Strecke verläuft. Ganz allmählich zeichnet sich die Linie der Bergkette gegen den Himmel ab. Von Hermanus fahren wir wieder von der Küste weg, entlang eines Naturschutzgebietes, nach Stanford. Nebelschwaden ziehen über die Straße und zum ersten Mal bin ich froh, dass ich in einem so großen Auto sitze und praktisch über den Nebel hinwegsehen kann. Hinter Stanford wird es langsam hell. Das ist auch gut so, denn die Straße ist schmal, ohne Markierung und allmählich machen sich die Farbigen und Schwarzen auf den Weg zur Arbeit. Dick vermummt gegen die Kälte laufen sie in ihrer dunklen Kleidung am Straßenrand entlang, was nicht ungefährlich ist. Von dem kleinen Fischerdorf Gansbaai bekommen wir nicht viel zu sehen, da der Hafenort Kleinbaai noch ein Stück entfernt ist. Dort, in der Tauchbasis, bekommen wir ein kräftiges Frühstück. Nach und nach kommen weitere Hai-Verrückte und der kleine Raum füllt sich allmählich. Die Taucher und Zuschauer für das Boot werden eingewiesen und um 9.30 Uhr ist Abfahrt. Als ich die Nussschale sehe, bin ich froh, mit Alex an Land bleiben zu dürfen. Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang an der Küste, während sich das Boot durch die Wellenberge kämpft. Drei Stunden später ist alles vorbei. Du bist wieder an Land, etwas blass um die Nase, und möchtest natürlich den Videofilm deines Ausfluges. Da diese Herstellung aber noch ein paar Stunden dauert, bezahlen wir den Film und vertrauen auf die südafrikanische Art, dass die DVD schon irgendwann und irgendwie in Milnerton ankommt.

Der Tag ist noch jung und wir beschließen, unsere Fahrt bis zum 140 Kilometer entfernten Cape Agulhas fortzusetzen, dem südlichsten Punkt Südafrikas. Von Gansbaai fahren wir zurück nach Stanford, dann über Springerskuil und Napier nach Bredarsdorp. Stundenlang könnte ich durch die von der Sonne beschienene Landschaft fahren. Sanfte Hügel und weite Täler wechseln sich ab und der Blick bleibt immer wieder an den Bergketten hängen, die sich in der Ferne erheben. Ich liebe diese Landschaft, die sich jetzt im Winter in einem satten Grün vor uns erstreckt. Von Bredarsdorp fahren wir über die R319 durch den Cape Agulhas National Park direkt auf den südlichsten Punkt zu. Das Kap hat seinen Namen von portugiesischen Seefahrern, die feststellten, dass ihre Kompassnadeln (agulhas = Nadeln) keine Kursabweichungen mehr in nördlicher Richtung zeigten: Sie hatten den südlichsten Punkt Afrikas umfahren (34° 49´ 58´´ S, 20° 00´ 12´´ O). Wir fahren durch den kleinen Ferienort Struisbaai und dann entlang der Küste durch L´Agulhas zum Kap. Ja, ich gebe zu, es ist natürlich nicht zu sehen, wo die beiden Ozeane aufeinandertreffen. Keine Wellenberge, die gegeneinanderdriften, keine unterschiedlichen Farben, kein donnerndes Getöse. Aber, das ist gar nicht so schlimm. Allein die Vorstellung, dass von diesem Punkt bis zum Südpol nichts, absolut gar nichts mehr kommt, ist überwältigend. Kein Festland, keine noch so kleine Insel. Nichts. Alex ist davon natürlich wenig beeindruckt und die vielen Felsen machen es unmöglich an den Strand zu kommen. Also fahren wir nach einer Weile zurück und sehen uns noch ein bisschen an dem Leuchtturm um, dem zweitältesten des Landes, der 1849 gebaut wurde und dem Leuchtturm von Alexandria nachempfunden ist. Einst hatte der Leuchtturm die Leuchtkraft von 4500 Kerzen und wurde mit dem Öl aus den Schwänzen der lokalen Schafe befeuert. Mit den Jahren schien er immer strahlender und heute mit der Intensität von 12 Millionen Kerzen. Deshalb gibt es kaum noch Schiffsunglücke. Der taiwanesische Frachter Meisho Maru, der 1982 an der Küste gestrandet ist, rostet vor sich hin und wurde von hunderten Seevögeln zum Lieblingsplatz auserkoren. In dem kleinen Restaurant machen wir unsere Mittagspause und essen fangfrischen Fisch. Auf dem Rückweg stellen wir dann doch fest, dass wir am Indischen Ozean sind. Entlang der Küste ist das Wasser von einem dunklen, leuchtenden Grün. In Hotagterklip machen wir den Fehler und gehen in eine kleine Töpferei. Tja, was soll ich sagen, es war ein teurer Spaß, hat sich aber gelohnt.

 

Weil ich es absolut langweilig finde, den gleichen Weg zurückzufahren, lassen wir den Wagen an der einzigen Tankstelle im Ort volltanken und fahren über Bredarsdorp quer durch die Overbergregion über Nebenstraßen nach Riviersonderend auf die Nationalstraße, der wir bis Kapstadt folgen. Natürlich kommen wir in den Berufsverkehr um Kapstadt und schieben uns mit der Blechlawine langsam an Khayelitsha, dem größten Township, vorbei. Heute sind wir sogar für einen Abstecher zu unserem obligatorischen Strandspaziergang und letztem Blick auf den Tafelberg vor Sonnenuntergang zu müde.