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Mit dem Dampfzug über den Ozean

Mit dem Dampfzug von George nach Sedgefield

Der Zug steht im Bahnhof von George, der Stadt am Fuße der Outeniqua Mountains. George ist ein interessantes Ziel für Touristen, denn die Stadt ist umgeben von weitläufigen Wäldern, reichem Farmland und einer Küste mit herrlichen Sandstränden. Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir mit dem Bus zum Outeniqua Choo-Tjoe Bahnhof. In der alten Bahnhofshalle sind alte Autos und Eisenbahnen aus der Kolonialzeit und der Zeit der Apartheid zu sehen. Draußen auf den Gleisen steht der Outeniqua-Choo-Tjoe und der Kessel wird kräftig unter Dampf gesetzt. Ein schrilles Pfeifen ertönt und dunkle Rauchwolken steigen in den Himmel. Der Outeniqua-Choo-Tjoe ist eine der letzten Dampfeisenbahnen Südafrikas und fährt die Strecke von George nach Knysna und zurück. Pünktlich startet der Dampfzug nach Sedgefield. Bei strahlendem Sonnenschein haben wir natürlich alle Fenster weit geöffnet. Der Zug schnauft aus dem Bahnhof, dunkle Rauchwolken steigen auf, werden mit zunehmender Geschwindigkeit am Zug entlang getrieben. Wir werden reichlich mit Rußpartikeln überhäuft, die durch die offenen Fenster hereingewirbelt werden. Ich finde das nicht so schlimm, allerdings habe ich auch keine hellen Sachen an. Zunächst fährt der Zug durch dichte Wälder, sodass von der Landschaft nicht viel zu sehen ist. Rechts unter uns begleitet ein Fluss den Zug und hier sind die Überschwemmungsschäden noch deutlich zu sehen. Hoch über dem Fluss hängt abgerissenes Astwerk und mitgespültes Gestrüpp in den Sträuchern und Bäumen. Blühende Sträucher sind nur selten zu sehen, der Herbst nähert sich.

Es dauert nicht mehr lange und nach einem kurzen Tunnel, dem Dolphins Point am Eingang der Victoria Bay, sehen wir den Indischen Ozean. Der Zug überquert die Bucht auf einer hohen Brücke auf Betonstelzen, die von der Brandung und dem Wasser des Kaaimans River umspült werden. In einem lang gezogenen Bogen führen die Gleise über dessen Mündung in den Indischen Ozean und ermöglichen einen grandiosen Blick auf die Dampflok und die anhängenden Waggons. Drei große Seen folgen auf der linken Seite, der Inselsee (Island Lake), der Lange See (Longvlei) und der Runde See (Rondevlei). Diese werden vom Indischen Ozean gespeist. Viele Seevögel leben in diesen seichten Gewässern und der Fischreichtum ermöglicht den Südafrikanern ihrem liebsten Hobby nachzukommen, dem Angeln. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir den kleinen Ort Sedgefield, der umrahmt von hellen Sandstränden am Swartvlei, dem größten salzhaltigen Binnensee Südafrikas liegt. Hier endet unsere Zugfahrt und bevor wir in den Bus steigen probieren wir den hausgemachten Käsekuchen, der im Kiosk an der Bahnstation verkauft wird.

Mit dem Bus fahren wir bis an die Waterfront in Knysna. Neben der Architektur, mit der dieses Hafenviertel einen ganz besonderen Reiz bekommen hat, sind auf dem Gelände einige sehr bemerkenswerte Kunstwerke verteilt. Noch nie habe ich eine verchromte Galionsfigur gesehen. Und die vielen Menschen, die aus einem einzigen Holzklotz herauszuwachsen scheinen und sich in den Himmel recken beeindrucken mich sehr. Eine sehr schöne künstlerische Arbeit. Knysna zählt zu den schönsten Ferienorten an der Garden Route und liegt eingebettet zwischen dem Meer und einer herrlichen Bergwelt an der Knysna Lagoon. Der Eingang der Lagune wird von zwei mächtigen Sandsteinkliffs geschützt, den Heads. Von der Spitze des östlichen Kliffs (116 m) bietet sich eine Aussicht auf das Meer, auf Knysna und auf Leisure Island. Das westliche Kliff ist 200 m hoch und nur mit einer Fähre zu erreichen. Es gehört zum privaten Featherbed Nature Reserve, in dem eine Wanderung (zwei Kilometer) durch dichten Küstenbewuchs, oder der Besuch eines Restaurants möglich ist.

Knysna ist berühmt für die Austernzucht und so komme ich nicht umhin, zum ersten Mal in meinem Leben Austern zu essen. Mit einem Schiff machen wir eine Fahrt in die Lagune, dabei wird uns ein Mittagessen serviert. Unter den Vorspeisen können wir zwischen Austern und einer Leberpastete wählen. Da wir immer zu viert an einem Tisch sitzen, einigen wir uns auf je zwei Vorspeisen von jeder Sorte, so können wir alle probieren. Also, Austern werden nie zu meinem Leibgericht werden. Fischig und glibberig, die Feinschmecker mögen mir verzeihen, rutschen sie mir durch den Hals. Mit einem kräftigen Schluck Windhoek Lager habe ich ihnen dann den Rest gegeben und den Geschmack in meiner Kehle hinunter gespült. Der Hauptgang mit frischem Fisch und der Nachtisch sowie der Kaffee haben mich dann doch entschädigt.

Leisure Island gehört wohl zur gehobenen Wohngegend, die Häuser sehen sehr komfortabel aus und sind ziemlich groß. An der gegenüberliegenden Seite der Lagune stehen nur wenige Häuser über den steilen Hang verteilt. Diese gehören ohne Zweifel zu der abgehobenen Kategorie, vergleichbar mit einer Villa an der Elbchaussee. Also nichts für mein Portmonee. Wir nähern uns dem Ende der Lagune und die beiden Heads kommen immer näher. Ich möchte diesen Moment nicht verpassen und gehe nach draußen an die Reling. Es ist warm und auch der Fahrtwind ist sehr angenehm. Ein Rauschen übertönt die Geräusche des Schiffes und wir zunehmend lauter. Es dauert ein Weilchen, bis ich realisiere, dass dies das Grollen der Brandung hinter den Felsen ist. Hoch türmen sich dort die Wellen auf und die Gischt tanzt über den Wellenkämmen. Ein fantastisches Bild, das aber zugleich deutlich macht, dass es nicht einfach ist, aus der Lagune herauszukommen oder auch hinein. Und es wird deutlich, wie geschützt Knysna und Leisure Island in der Lagune liegen. Das Schiff dreht ab, näher können wir nicht an die Sandsteinkliffs heran. Ich genieße das leichte Schaukeln und beobachte meine Umgebung. Plötzlich taucht neben dem Schiff ein Seehund auf und wirft einen Fisch in die Luft. Das ist köstlich anzusehen. Der Seehund spielt mit dem Fisch, schleudert ihn herum, wirft ihn fort und taucht hinterher, um ihn wieder zu schnappen. Das geht ein paar Minuten so und endlich lässt der Seehund den Fisch in seinem Maul verschwinden.

Wieder an Land muss ich mich an den festen Boden unter den Füßen gewöhnen. Das geht aber verhältnismäßig schnell, da wir nur ein paar Stunden auf dem Wasser waren. Mit dem Bus fahren wir in den Ort. Ich bummle über die bunten Märkte und bestaune die vielen angebotenen Waren. Es gibt auch kleine Stände in den Seitenstraßen. Alle wollen uns das Beste zu den günstigsten Preisen verkaufen. Würde ich auch machen wollen. Unsere Reiseleiterin hat uns noch den Tipp gegeben, dass wir hier mit Sicherheit die besten Angebote an Souvenirs haben. „Was es hier nicht gibt, gibt es in ganz Südafrika nicht.“ Wie Recht sie damit hatte, musste ich leider auch feststellen. Ich bin eher zurückhaltend beim Souvenirkauf, außerdem hat die Reise gerade erst begonnen und ich weiß ja nicht, was ich noch alles geboten bekomme. Aber ein kleiner Markt in einer Seitenstraße zieht seine Aufmerksamkeit auf mich, hier liegen wunderschön angemalte Straußeneier. Besonders gefallen mir ein Straußenei mit Giraffen und eins mit den Big Five. Ich habe aber keine Ahnung, ob ich zwei Straußeneier heile mit nach Hause bekomme. Ich entschließe mich, nur das Giraffenei zu kaufen, wofür ich 230 Rand (etwa 30 Euro) bezahlen muss. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe im ganzen Urlaub kein so schönes Straußenei mit den Big Five mehr gesehen und habe mir auch keins gekauft. Schade.

Nach unserem Einkaufsbummel fahren wir mit dem Bus nach Wilderness zum Hotel. Ein großer Teil unserer Gruppe unternahm nach dem Einchecken einen langen Strandspaziergang. Bisher kannte ich den Indischen Ozean nur von den Malediven, wo er so schön ruhig in den Lagunen vor sich hinplätschert und die Wucht der Brandung nur in den Kanälen zwischen den Atollen zu spüren ist. In Wilderness erinnert mich die Brandung des Indischen Ozeans an die hohen Wellen auf Hawai´i. Fast eineinhalb Stunden laufen wir der Sonne entgegen, sammeln Muscheln. Zum Schluss sind wir nur noch zu Dritt und steigen über eine steile Treppe die Böschung hinauf. Durch die breite Abflussrinne neben der Straße, die zum Glück trocken ist, laufen wir zum Hotel zurück. Bürgersteige gibt es nicht. Die viele frische Meerluft macht hungrig und so kann ich am reichhaltigen Buffet nicht vorbeigehen. Wieder geht ein ereignisreicher Tag zu Ende, den ich mit einigen anderen an der Bar ausklingen lasse.