Mit einem Schuss

zu den Rezensionen

Jetzt hier mit einem Klick das Buch bestellen und versandkostenfrei nach Hause schicken lassen!

Jetzt hier mit einem Klick das eBook bestellen und sofort ins Lesevergnügen eintauchen!

Mit einem Klick zur Leseprobe.

 

 

 

 

Hier gibt es meine Bücher mit einer Signatur.

Gute Hoffnung für das Kap

Wale, Pinguine und Co

 

Mittlerweile sind meine Freunde in Deutschland, ich habe mich mit dem Ungetüm von Auto vertraut gemacht, bei dem ich zum Einsteigen fast eine Leiter brauche und mir sicherheitshalber ein Kissen unter den Allerwertesten lege. Natürlich nur wegen der ständig tief stehenden Sonne und weil die Sonnenblende nicht so weit herunterreicht. Oder so. Ist ja auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass ich mit dem Auto zurechtkomme, immer schön auf der linken Seite fahre, beim Rechtsabbiegen nicht vergesse einen großen Bogen zu fahren und vor allem die Vorfahrtsregeln im Kreisverkehr beachte.

 

Damit das alles noch besser klappt, habe ich jetzt für zweieinhalb Wochen meine Nichte zu Besuch, die zum ersten Mal in Südafrika ist. Schließlich will ich mich ja nicht blamieren. Nun bin ich gefragt und darf ihr zeigen, was ich selber schon gesehen habe. Aber, ich will natürlich auch wieder Neues entdecken und bin gespannt, wie wir die Zeit miteinander verbringen. Nachdem sich an den ersten zwei Tagen der südafrikanische Winter mit kräftigem Regen gezeigt hat und wir noch ein bisschen in der Bewegung eingeschränkt waren, können wir seit Sonntag frei über das Auto verfügen. Da scheint wieder die Sonne. Der Sonntag ist der Arbeitstag für den Gärtner, sodass wir zunächst ans Haus gebunden sind. Für 120 Rand (etwa 13 Euro) arbeitet er von 9.30 bis 14.30 Uhr, bekommt noch etwas zu trinken und das war´s. Anschließend ist der Rasen geschnitten, die Gartenmauer abgewaschen und alles tipptopp in Ordnung. Wir fahren mit Alex, dem schwarzen Labradormischling an den Strand und genießen die wärmenden Sonnenstrahlen und den wolkenfreien Blick auf den Tafelberg.

 

Am Montag brechen wir nach einem ausgiebigen Frühstück bei strahlendem Sonnenschein auf, die Kap-Halbinsel zu erkunden. Vom Tafelberg haben wir uns ja schon einen guten Überblick verschafft und nun kann ich endlich wieder über den traumhaft schönen Chapman´s Peak Drive fahren. Unseren ersten Halt machten wir auf der Straußenfarm. Jetzt im Winter ist es hier ruhiger und so können wir eine individuelle Führung genießen. Zwar sind die Brutkästen leer, aber wir haben Glück, ein paar junge Strauße zu sehen. Über den Winter sind die Paare auf getrennten Wiesen untergebracht, damit sie sich ein bisschen erholen können. Das Angebot an Straußeneiern und Lederartikeln ist nach wie vor sehr groß. Wir genießen einen heißen Tee und fahren über die Küstenstraße weiter.

 

Landschaftlich reizvoll ist die Strecke zwischen Kommetjie und Scarborough. Überraschend zeigen sich hier trotz des Winters die ersten blühenden Proteen. Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet. Immer wieder blitzen helle, gelbe und orangene Farbtupfer zwischen den vielen Grüntönen auf. Rechts unter uns funkelt der Atlantik in einem tiefen blaugrün über uns strahlt der Himmel in makellosem Blau. Ein Bild wie aus einem Werbeprospekt. Endlos lang erscheint mir heute der Weg bis zum Kap, obschon ich die Strecke schon mehrfach gefahren bin. Aber, es gibt immer wieder Neues zu entdecken, da ich den Winter hier noch nicht erlebt habe. Die größte Überraschung erleben wir allerdings, nachdem wir mit dem Flying Dutchman vom Parkplatz zum alten Leuchtturm gefahren sind. Dort sehen wir am Ende der Klippen die ersten Wale, die in der Brandung dümpeln. Leider reicht mein Teleobjektiv nicht für ein gutes Foto, da die Wale nicht springen, sondern nur immer wieder an die Oberfläche kommen, kurz auftauchen und wieder in den Tiefen des Meeres verschwinden. Diesem Schauspiel sehen wir trotzdem eine Weile zu. Nach einem Spaziergang, es ist fast windstill, fahren wir mit der Kabelbahn zurück, nehmen einen Snack am Fuß des Berges. Kurz, nachdem wir den Parkplatz verlassen, sehen wir eine kleine Herde Strauße, die gemächlich neben der Straße laufen. Paviane sind heute keine am Parkplatz und das ist gut so. Hajo hat erzählt, dass die mittlerweile so frech sind, dass sie in die Autos einsteigen. Sie machen selber die Türen auf und werden aggressiv, wenn sie nichts zu fressen bekommen. Zu verdanken ist dieser Umstand den vielen uneinsichtigen Touristen, die trotz Verbotes die Paviane füttern. Hajo hat uns empfohlen, die Türen von innen zu verriegeln. Es ist schon zu massiven Angriffen der Tiere auf Autoinsassen gekommen. Darauf kann ich wirklich dankend verzichten. Zügig fahren wir zum Cape-Point. Hier am südwestlichsten Punkt von Südafrika bläst der Wind stärker als oben am Leuchtturm. Eine fantastische Brandung lässt das Wasser hoch an die Klippen spritzen. Nun sehen wir die ersten Dassies. Jedes Mal, wenn ich diese kleinen Nager sehe, die etwa das Aussehen eines Murmeltieres haben, muss ich lachen, weil sie vom Elefanten abstammen und so gar nicht wie die Dickhäuter aussehen. Das ist jetzt auch kein Scherz, das Skelett der Dassies hat den gleichen Aufbau wie das eines Elefanten.

 

Das Cape of Good Hope Nature Reserve umfasst die gesamte Südspitze der Kap-Halbinsel und ist 7750 Hektar groß. Hier verbinden sich landschaftliche Schönheit und das Meer. Es wird von Fahrstraßen durchzogen, die unglaubliche Ausblicke auf traumhafte Buchten und Felsenküsten, Strände und das Meer bieten. Dichtes Fynbos wächst auf den Ebenen und überzieht die Berghänge. Die vielfältigen Grüntöne werden durchbrochen von unterschiedlichen Farbtupfern, immer abhängig von der Jahreszeit. Zahlreiche Freizeitaktivitäten sind hier möglich. Wandern, Schwimmen, Surfen und Radfahren sind nur einige. Ein Besucherzentrum kurz hinter dem Parkeingang verschafft einen Überblick über die Flora und Fauna des Naturschutzgebietes und zeigt Fundstücke von den zahlreichen Schiffwracks entlang der Küste. Der alte Leuchtturm (250 Meter über dem Meer), der oft von dichtem Nebel umhüllt war, wurde 1914 durch einen neuen Turm ersetzt, der nur 65 Meter über dem Meer liegt.

 

Natürlich führt der Rückweg über Simons-Town nach Boulders, zur Pinguinkolonie. Relativ windgeschützt leben die Tiere zwischen Granitblöcken, Auswaschungen und kleinen Höhlen direkt am Strand und wir können sie von den höher liegenden Holzstegen gut beobachten. Nun sehe ich zum ersten Mal den Nachwuchs, der wohl behütet aufwächst.

Die Zeit drängt, zu Hause wartet ein Vierbeiner, der versorgt werden will und der uns stürmisch begrüßt. Mit einem wunderbaren Abendessen in einem Fischrestaurant klingt der Tag aus.

 

© Evelyn Barenbrügge