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Mother-City 

Ankunft in Kapstadt

Terence klopft an mein Abteil und reicht mir einen starken, heißen Kaffee. Den brauche ich heute Morgen, denn ich bin ziemlich müde. Während ich meinen Kaffee langsam schlürfe, geht mir das Gespräch von gestern Abend durch den Kopf. Hajo und ich haben uns einen Absacker in der Bar genehmigt und sind mit Terence ins Gespräch gekommen. Er hat ein abgeschlossenes Ingenieurstudium und arbeitet im Zug, weil er nirgends eine Stelle bekommt. Seit sechs Monaten fährt er in dem Sonderzug mit und verdient 1500 Rand im Monat. Das sind umgerechnet etwa 210 Euro. Terence hat gegenüber seinen Kollegen im Zug einen sehr großen Vorteil, er ist Junggeselle. Die anderen sind verheiratet und haben zum Teil auch Kinder. Deshalb verdienen sie aber nicht mehr. Terence will unbedingt deutsch lernen und dann nach Deutschland gehen, um dort zu arbeiten, am liebsten nach Berlin. Es ist schwer, ihm zu erklären, dass es in Deutschland nicht besser für ihn wäre. Er versteht es nicht, was ja kein Wunder ist angesichts der vielen Touristen. Der Kaffeebecher ist leer und ich sehe zu, dass ich meinen Koffer für die nächsten drei Tage packe.

Wir sind ja nur eine kleine Gruppe und können alle gleichzeitig Frühstücken. Daher dehnen wir das Frühstück heute noch ein bisschen aus, bis wir in Kapstadt eintreffen. Ich nutze die Zeit, noch ein intensives Gespräch mit unserem Reiseleiter Andreas zu führen. Er ist mit dem Fahrrad von Frankfurt gekommen und genau am Tag der ersten demokratischen Wahlen, im April 1994, in Kapstadt eingetroffen. Jetzt will er nicht mehr weg, was ich durchaus verstehen kann. Er erzählt von der Gesundheitspolitik und wie die Gesundheitsministerin mit den Aids-Medikamenten beziehungsweise deren Verteilung umgeht. In diesem Punkt muss noch viel getan werden, es gibt immer noch Frauen, die ihre Tabletten als Perlen an einer Kette um den Hals tragen. Ein schwieriges Thema, aber viele Institutionen arbeiten an der Aufklärung der Menschen.

Wir erreichen Wellington und es fängt es an zu regnen. Gegen Mittag fährt der Zug in strömendem Regen in die Cape Town Station in Kapstadt ein. Wie sehr hatte ich mich auf die Metropole gefreut und was zeigt sich mir, wenn ich aus dem Fenster blicke? Alles grau in grau. Halt! Stimmt nicht ganz, weit entfernt sehe ich einen bunten, farbenfrohen Basar. Das ist aber der einzige Farbtupfer heute Morgen. Unser Gepäck wird im Bus verstaut und wir machen eine Stadtrundfahrt, bei der allerdings nicht viel zu sehen ist. Der Tafelberg hat sich ein dickes Tischtuch übergezogen und ist nicht zu sehen und selbst der Lions Head liegt in den Wolken. Dabei sind die Berge gar nicht so hoch; die Wolken hängen so tief über dem Atlantik. Von den Festungsmauern des Castle of Good Hope hätten wir bei schönem Wetter eine wunderbare Aussicht auf die Stadt und das Bergmassiv, so aber verdrücken wir uns schnell wieder in den Bus. Die älteste anglikanische Kirche, die St.-Georges-Cathedral, nimmt uns dafür eine Zeit auf. Der Innenraum wird gerade mit Palmzweigen festlich geschmückt, bald ist Ostern. In einer Nische steht eine wunderschöne schwarze Madonna, die meine Blicke magisch anzieht. Spontan zünde ich eine Kerze an. Nach einigen stillen Minuten verlasse ich die Kirche und wir nähern uns dem Versorgungsgarten Jan van Ribbecks. Er legte für die ostindische Handelskompanie im Jahr 1672 den ersten Gemüsegarten an und versorgte die Seefahrer auf ihrem Weg nach Malaysia oder zurück nach Europa mit frischem Obst und Gemüse.

Beim Durchqueren des Parks mit seinen Rosengärten und stillen Wegen werden wir von einem heftigen Schauer überrascht. Wir suchen uns den schnellsten Weg zum Bus und fahren zur Victoria & Albert Waterfront. An der Information bekommen wir Übersichtspläne, die uns sehr bei der Orientierung helfen. Der Hunger meldet sich, das Frühstück ist schon lang vorbei und Verena lädt mich ein, mit den Reiseleitern ins Pfannkuchen-Haus zu gehen. Hier ist die Auswahl an typisch afrikanischem Essen sehr groß. Die Füllungen für die Pfannkuchen sind sehr abwechslungsreich, mich reizt der Bobotie Pfannkuchen, gefüllt mit Straußengehacktem, Zwiebeln und Rosinen sowie einer süßsauren Currysoße. Das war richtig „lekker“ (lekker ist afrikaans und heißt auf Deutsch: lecker, angenehm).

Leider regnet es noch immer, als wir das Restaurant verlassen und so gehen wir zum Bus, der uns in unser Quartier bringt. Vom Hotel gibt es einen Shuttlebus, sodass ich jederzeit wieder an die Waterfront fahren kann. Am späten Nachmittag wird es dann endlich hell und die Sonne lässt sich noch einmal blicken. Also, doch noch einmal zu dieser Touristenattraktion am Atlantik, diesmal mit Kamera. So entstehen dann noch ein paar schöne Aufnahmen mit einem freien Tafelberg, der von der Waterfront gut zu sehen ist. Das ist ein beeindruckendes Massiv, wie abrasiert. Gleich daneben leuchtet der Signal Hill in der Abendsonne. Mit diesen Bildern kann ich mich auch mit dem heutigen Tag versöhnen.

Für die Vielzahl der Geschäfte und Handwerkermärkte an der Waterfront müsste ich mehr als einen Tag zur Verfügung haben. Heute ist meine Zeit begrenzt, doch sie reicht aus, einen kleinen Einblick in dieses große Hafengebiet zu bekommen. Besonders fasziniert haben mich die kleinen Geschäfte in den Handwerkshallen. Kleine Gruppen haben sich zusammengeschlossen und stellen in Kooperation Kunsthandwerk her, das in den Hallen zum Verkauf angeboten wird. Fantasievolle Gebilde aus Kronkorken, bunt bemalte Anhänger aus den unterschiedlichsten Materialien wie Aluminium, Schalenstücke vom Straußenei, Holz oder Leder. An den kunstvoll geschnitzten Specksteinfiguren konnte ich mich nicht sattsehen. Skulpturen, deren Darstellungen zum Nachdenken anregen. Häufig Frauen mit Kindern oder Liebende. Tierskulpturen sind meistens aus Holz geschnitzt und so schwer, dass sie sich als Mitbringsel nicht eignen. Gesättigt von den vielen Eindrücken fahre ich am Abend mit dem Shuttlebus zum Hotel zurück. Kapstadt ist eine wunderbare Stadt, aber es braucht mehr als einen Tag, um die Vielfältigkeit zu erfassen. Auch allein habe ich mich in dieser großen Stadt bisher rundum wohl und sicher gefühlt.

Fortsetzung folgt …

 

Evelyn Barenbrügge