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Gefangener mit Herz und Verstand

Happy Birthday, Madiba!

 

Etwas über Nelson Mandela, diesen großartigen Staatsmann und ersten Präsidenten Südafrikas zu schreiben, ist eine echte Herausforderung und fast nicht möglich. Ich kann deshalb hier auch nur einen kleinen Einblick geben und hoffe, dass er dazu animiert, sein Buch zu lesen: Der lange Weg zur Freiheit. Einen Teil meiner Informationen habe ich aus einem Artikel der Cape Times vom 14. Juli entnommen und frei übersetzt. Anlass dazu ist der 89igste Geburtstag Nelson Mandelas am 18. Juli, der von den Südafrikanern Madiba genannt wird.

„Außer dem Leben, einer starken Konstitution und einer dauerhaften Verbindung zum Thembu-Königshaus gab mir mein Vater bei meiner Geburt nur einen Namen mit, Rolihlahla. Wörtlich bedeutet Rolihlahla: „Am Ast eines Baumes ziehen“, doch der umgangssprachliche Sinn lautet ziemlich genau: „Unruhestifter“. Ich glaube nicht, dass Namen etwas Schicksalhaftes haben oder dass mein Vater irgendwie ahnte, was für eine Zukunft mich erwartete, doch in späteren Jahren machten Freunde und Verwandte oft meinen Geburtsnamen verantwortlich für die vielen Stürme, die ich sowohl verursacht als auch überstanden habe. Meinen bekannteren englischen oder christlichen Namen erhielt ich an meinem ersten Schultag.“ So beginnt die Autobiografie eines großen und bedeutenden Politikers, der am 18. Juli 1918 in Mvezo, einem winzigen Dorf am Ufer des Mbashe im Distrikt Umtata, der Hauptstadt der Transkei geboren wurde. Sein 89igster Geburtstag rückt näher, ein Grund, sich mit dieser Persönlichkeit zu beschäftigen: Nelson Rolihlahla Mandela, genannt Madiba.

Er musste viele Schicksalsschläge in seinem Leben einstecken, durchlitt manchen schweren Sturm, der ihn und seine Familie traf, aber seine Freiheit, sein Stand und seine Arbeit wurden zu einem Symbol seines kraftvollen Charakters und es gibt viel, das die Menschen von dem Mann lernen können, über den Präsident Thabo Mbeki sagt, er sei „unser nächster und hellster Stern, der uns auf unserem Weg führt“.

 

Als Nelson Mandela am 11. Februar 1990 aus dem Gefängnis kam, wurde er von einer Welt, die über sein Format und seine Größe verblüfft war, stürmisch begrüßt. Einen großen Eindruck muss die ungeteilte Aufmerksamkeit auf ihn gemacht haben, die ihm von allen Seiten der Erde entgegen kam, gleichzeitig nahm er sie zum Anlass, seine Grundregeln und Ideale in einer Rede zu rechtfertigen.

 

Mit einem Glauben an die Werte „Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Einfachheit, Bescheidenheit, Reinheit, Großzügigkeit, fehlende Eitelkeit, die Schnelligkeit, im Dienst deiner Gefolgsmänner – Eigenschaften innerhalb jeder Seele“, so beschrieb er einmal die Kennzeichen der Entwicklung eines menschlichen Wesens in einem Brief an Winnie Madikizela-Mandela. Er widerstand der Zurschaustellung eines empfindlichen, verzeihenden und versöhnenden Aspektes gegenüber der Nation, und er war in der Lage, frühere Feinde zu entwaffnen und Brücken zu schlagen.

 

Erzbischof Emeritus Desmond Tutu sagte: „Wäre dieser Mann nicht gewesen, das ganze Land wäre in Flammen aufgegangen. Und zweifellos ist es wahrscheinlich, dass die Führung Mandelas in schlechtesten Zeiten verhinderte, dass Südafrika in einen großen Bürgerkrieg abstieg. Aber, im Kontext eines neuen Südafrika, könnte sein Beispiel sein dauerhaftestes Vermächtnis sein: getragen aus seinem Glauben, dass ein Mann, der sich bildet und seine eigenen Schwächen unterdrückt, dafür aber seine Stärken entwickelt, aus den Feuern des Missgeschicks einen starken Charakter schmieden kann.

 

Nelson Mandela und Oliver Tambo wurden 1940 wegen der Beteiligung an einem Studentenstreik von der Fort Harare Universität vertrieben. Tambo kehrte zwei Jahre später als Lehrer für Naturwissenschaften und Mathematik an seine ehemalige Highschool in Johannesburg zurück. Er war 1944, zusammen mit Mandela und Walter Sisulu, eines der Gründungsmitglieder des ANC Youth League und deren erster Sekretär. Die ANC Youth League fand, dass die Aktionen des ANC, die aus Petitionen und Demonstrationen bestanden, nicht genügten, um an ihre Ziele zu gelangen, und schlugen ein eigenes Aktionsprogramm vor: Boykotte, zivilen Ungehorsam, Streiks und Verweigerung von Kollaboration. Oliver Tambo erklärte einmal einem Kollegen, „wenn ich eines Tages eine Konfrontation wünsche, dann frage ich Nelson“. Heute ist diese Aussage mit Mandelas internationalem Renommee als Schlichter nicht haltbar. Jedoch in seinen 30igern, wurde er in einigen Vierteln als Außenseiter und hitzköpfiger Revolutionär mit einem losen Mundwerk innerhalb des Afrikanischen Nationalkongresses angesehen. Obgleich sein Angriff und Zorn gegen die nationalistische Regierung und deren ungerechte Gesetze, die zu einer tiefen Armut in den Gemeinden führte, ohne Zweifel berechtigt war,  kann Mandela´s Streitsucht während der 50iger Jahre ein Resultat eines tiefen persönlichen Konflikts zwischen seinem Glauben als Rechtsanwalt im Rechtsgrundsatz und seiner Überzeugung gewesen sein, dass ein bewaffneter Kampf absolut notwendig sein würde. Mit seiner offenen Äußerung, „ich bin kein Engel“, ist Mandelas Umwandlung vom herausfordernden und verächtlichen Hetzer zum liebenswerten und pragmatischen Staatsmann noch bemerkenswerter, weil sie in der grausamen Strenge von Zelle 5 im B-Abschnitt des Gefängnisses auf Robben Insel vollendet wurde.

 

Dort fand er, dass „die Zelle ein idealer Platz ist, um sich kennenzulernen, um realistisch und regelmäßig die Prozesse seines eigenen Verstandes und der Gefühle zu erkennen. Wenn wir unseren Fortschritt als Einzelpersonen beurteilen, neigen wir dazu, unsere Gedanken auf externe Faktoren zu konzentrieren, wie unsere soziale Position, unseren Einfluss und die Popularität, Vermögen und Standard der Ausbildung …, aber interne Faktoren können entscheidend in der Entwicklung als menschliches Wesen sein.“ Eddie Daniels, ein Mitgefangener auf Robben Island, sagte in einem Interview: „Er (Mandela) gab uns Hoffnung, als alles an einem Tiefpunkt war und wir keine Zukunft hatten. Aber Charakter, nicht Religion, war seine Stärke“. Mandela erlernte moralische Glaubwürdigkeit und ideologische Tiefe auf die harte Weise, durch unersättliches Lesen und umfassendes Studieren der vergangenen Geschichte, Verhältnisse und Grundregeln, des Glaubens und der Ideen, die er immer wieder reflektierte – durch sein Denken nicht durch sein Blut.

 

Gerade da sein Beispiel der Toleranz und der Versöhnung zeigt, dass es möglich ist, sich für das bessere zu ändern, ist eine andere wichtige Lektion, dass jeder das Vermögen hat, schwierige Umstände zu bewältigen, Licht in der Schwärze zu suchen. Er drängte einmal seine Tochter, Zindzi, „es gibt wenige Unglücke in dieser Welt, die du nicht in einen persönlichen Triumph umwandeln kannst, wenn du nicht einen eisernen Willen und die notwendigen Fähigkeiten dazu hast.“ Zu der Zeit reflektierte dieser Satz seine absolute Ablehnung der schlimmen Zustände seiner Gefangenschaft und seines Glaubens und führten dazu, dass er selbst Schmied einer neuen Wirklichkeit werden musste. Heute, bei einem entspannenden Tagesausflug könnte es möglich erscheinen, dass Robben Island wenig bietet, einem Gefangenen eine Verbesserung seines Selbst zu ermöglichen. Einsam, windig und steif, hat die Insel schlechte Erinnerungen an die vorhergehenden Perioden, als sie als Leprakolonie und Asyl für geistig Behinderte verwendet wurde. Jedoch, mit einem einzigen vorhandenen Zuhörer, „wir und unsere Unterdrücker“, erzeugen die politischen Gefangenen, die als Führer eingesetzt werden, eine „Kultur der Kameradschaft, der Mitarbeit und des Lernens, der heftigen Debatte verbunden mit politischer Toleranz“ und führen durch den blind machenden Krater des Kalksteinsteinbruchs, in dem sie mit Picke und Schaufel arbeiteten.

 

Während der physikalisch und geistig ausgefüllten Tage seiner Gefangenschaft zog Mandela seine intellektuellen Energien ab und vertiefte sein Interesse an den Ideen, „von Jahr zu Jahr … änderte und verbesserte er seine Ansichten“. Er verfeinerte seine politische Ideologie und unterrichtete in einem Kurs politische Wirtschaft. Er verfolgte die Entwicklung der Gesellschaften vom Feudalismus zum Kapitalismus und zum Sozialismus. Das Gefängnis sah er als Mikrokosmos eines zukünftigen Südafrika und er glaubte, dass der ANC das regeln könnte. Er studierte Afrikaans und las viele Afrikaansbücher über Geschichte und Literatur. Er lernte, sein Temperament zu steuern und seinen starken Willen zu zähmen. Sein Einfühlungsvermögen bildete sich aus und er gewann größeren Einfluss über seine Mitgefangenen, was der Gefangene Michael Dingake aus Botswana bezeugt, „jeden Tag, zusätzlich zu seinen Organisationsprogrammen, hatte er zahlreiche Gespräche, immer auf seine eigene Initiative, um über zwischenorganisatorische Beziehungen, Beschwerden der Gefangenen, gemeinsame Strategien gegen die Gefängnisbehörden und allgemeine Themen zu diskutieren“.

 

Trotz der psychologischen Belastungen und der körperlichen Härten der „traurigen, trockenen Tage“ des Gefängnislebens, gab es willkommene Ablenkungen, um der Moral Auftrieb zu geben und die Monotonie von dem dämpfenden Programm zu nehmen, und Mandela und die anderen Gefangenen leiteten von den besten Gelegenheiten so viel Genuss ab, wie sie konnten, dass es ihnen vorkam, als würden sie Mark aus einem Knochen saugen.

 

Mandela hörte nie auf, die Verhältnisse für die Gefangenen zu verbessern, indem er lange Darstellungen an die Gefängnisbehörden schickte: Sei es nun, die Ernährung zu bessern, oder das Recht zu haben, lange, kakifarbene Hosen anstatt kurzer Shorts zu tragen, oder Türen im Waschblock einzubauen, damit die Gefangenen wenigstens dort ein kleines Stück Privatsphäre hatten. Und jeder Sieg, der gewonnen wurde, egal wie klein, wurde gefeiert. Als sein eigenes spezielles Projekt stellte er einen kleinen Garten in einer Ecke des Gefängnishofes her und bat Kollegen, ihm Knochen von ihren Fleischmahlzeiten zu geben, das er zu Puder hämmerte, um das Knochenmehl als Düngemittel zu benutzen. Er baute Paprika, Kopfsalat und Tomaten an. Sein Garten gab ihm viele glückliche Momente oder Entspannung im Freien, brachte ihn zur Natur und gab ihm ein neues Gefühl der Freiheit und Kreativität. Er sah das Wachsen der Pflanzen als Metapher für Politik, „ein Führer sät Samen und sieht dann zu, wie alles wächst, er kultiviert die Pflanzen und erntet das Resultat“.

 

In einem improvisierten Kino im Abschnitt B genossen Mandela und die anderen alte Filme. Mandela interessierte sich besonders für den Film über Maria, Königin von Schottland, mit Vanessa Redgrave und Glenda Jackson. Sie inszenierten eigene Spiele und sie durften Musikinstrumente kaufen und spielen und sangen Lieder gegen die Apartheid. Die Gefangenen genossen an speziellen Tagen den Besuch eines moslemischen Priester, „weil er nicht nur mit dem Koran kam, sondern mit Biryani, Samoosas und anderen köstlichen Delikatessen“.

Die Gefangenschaft auf Robben Island wurde für Nelson Mandela ein Test: Mit den strengen Gefängnisabläufen, der Gemeinschaft der Gefangenen und der Kameradschaft, die ihm Trost gab, war er in der Lage, der Versuchung zu widerstehen, in Selbstmitleid zu verfallen und zu verbittern. Stattdessen wurde er „stählern und verhärtete sich“, obgleich er nie seine Fähigkeit verlor, das Beste in den Menschen zu sehen. Ebenso glaubte er an die Würde des Mannes und seine Fähigkeit, zu verzeihen. Mandela ist ein positiver Beweis dafür, dass der Charakter nicht sosehr durch das geformt wird, was uns im Leben geschieht, sondern vielmehr dadurch, was wir aus der Situation machen, wie wir aus dem Dunkel herauskommen.

© Evelyn Barenbrügge

Dieser großartige Mann und ich gestehe, mein einziges Vorbild, starb am 5. Dezember 2013 in Johannesburg. Gewiss, er war ein alter Mann, doch seine Botschaft hat Generationen bewegt. Bleibt zu hoffen, dass sie nie vergessen wird.