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Eintopf mal anders

„Das Auge sieht, der Geist versteht.“ (Afrikanische Weisheit)

Früh um sieben Uhr klopfte es an mein Abteil. Verwundert schiebe ich die Tür auf und Terence lächelt mich strahlend an: „Do you like coffee, or tee?“ Verschlafen und doch fast automatisch kommt meine Antwort: „Coffee, no milk, please.“ Na, das ist ja mal ein guter Start in den Morgen. Der Zug steht still und nach einem Blick aus dem Fenster sehe ich, dass wir im Bahnhof von Beaufort-West stehen. Der heiße Kaffee tut wirklich gut, denn zum Ende der Nacht wurde es doch empfindlich kühl im Abteil. Da war ich über die zusätzlichen Decken auf den einfachen Laken doch sehr froh. Sonst habe ich vom Rumpeln des Zuges nicht viel mitbekommen.

Noch einmal zog der gestrige Abend an mir vorbei. Wenn ich bedenke, dass die Köche in unserem Zug lediglich einen Waggon haben, in dem sie die Vorräte aufbewahren, das Geschirr deponieren und die Speisen zubereiten müssen, dann kann ich vor dieser Leistung wirklich den Hut ziehen. Das Abendessen war exquisit. Nach dem Essen stellte sich die gesamte Zugmannschaft vor. Die afrikanischen Namen in Zulu und Afrikaans konnte ich nicht behalten und das wussten auch die Angestellten des Zuges und so haben sich alle einen zweiten, europäischen Namen zugelegt. Edgar, Albrecht, Terence, James, Clive und weitere waren für unsere Zungen einfacher.

Inzwischen hatte ich meinen Kaffee ausgetrunken und begnügte mich mit einer Morgenwäsche in meinem Abteil. In einer Ecke am Fenster war ein Tisch, unter dem sich ein Edelstahlbecken befand. Heißes und kaltes Wasser standen in ausreichender Menge zur Verfügung. Nachschub dafür bekamen wir in jedem Bahnhof, in dem wir hielten. Als ich richtig wach war, warf ich noch einmal einen Blick aus dem Fenster und stellte fest, dass die Landschaft, soweit ich sie hinter dem Bahnhof erkennen konnte, doch ganz anders war als in Pretoria und Johannesburg. Nach dem kontinentalen Frühstück hatten wir bis halb zwölf Zeit für uns. Ich zog mich in mein Abteil zurück, da ich die Zeit nutzen wollte, meine Aufzeichnungen zu vervollständigen. Und ich wollte die Landschaft in aller Stille genießen. Draußen zogen die Großen Swarteberge vorbei und die abwechslungsreiche Landschaft hielt meinen Blick fest. Im Anschluss an eine große Ebene erhoben sich zum Horizont die bizarren Felsenberge zum Teil oben abgeflacht, was mir sehr befremdlich vorkam. Wenn wir in der Ebene an frisch gepflügten Feldern vorbeikamen, so bot die rostrote Erde einen wunderbaren Kontrast zu den grauen Felsen und den grünen, zum Teil von der Sonne braun verbrannten Wiesen. Im Sonnenlicht strahlte die Farbe vor dem wolkenverhangenen Himmel.

Mit nur fünfzehn Minuten Verspätung kamen wir in Touwsrivier an, wo uns ein Bus erwartete. Knapp eine Stunde dauerte die Fahrt durch die weite, von Bergen eingerahmte Landschaft. Unzählige Strauße liefen über die kargen Felder und ich fragte mich, wovon die sich dort wohl ernähren. Wir bogen von der Straße ab und folgten dem Weg in die Berge. Nach ein paar Minuten erreichten wir den Rand der Neil Burger Farm und hier konnten wir in einer kleiner Pause unseren dringendsten Bedürfnissen nachkommen. Dies übrigens in modern ausgestatteten Häusern. Noch einmal fuhren wir mit dem Bus ein kleines Stück und hatten endlich unser Ziel erreicht. Eine große Sitzgruppe, zum Glück überdacht, denn es regnete etwas, empfing uns und wir konnten unter vielfältigen Speisen unser Essen zusammenstellen. Als Vorspeise gab es Fettgebackenes mit einer harten Kruste, aber sehr lecker. Lecker ist übrigens auch im Afrikaans bekannt und hat die gleiche Bedeutung, wird aber „lekker“ geschrieben. Das Hauptgericht bestand aus Huhn, Lamm mit Kartoffeln, Curry, Reis, süße rote Kartoffeln und Kürbis. Das Huhn, Lamm und das Curry waren in den typischen Potjiekis zubereitet worden. Das sind gusseiserne Töpfe mit drei Beinen, die in das offene Feuer gestellt werden können. Darin wird dann ein Eintopf gekocht, so, wie wir das auch kennen. Aber eben mit ganz anderen Gewürzen. Zum Nachtisch gab es Obstsalat mit Kaktusfeigen, Bananen, Aprikosen und Weintrauben, dazu Eiscreme. Zu guter letzt gab es einen Kaffee. Wenn ich den ganzen Urlaub so gutes Essen bekommen würde, hätte ich wohl anschließend etwas Probleme mit der Figur.

Als wir schließlich alle gesättigt waren, fuhr Mr. Burger mit einem Ungetüm von Traktor und einem angehängten Planwagen vor. Damit sollte es nun auf den Gipfel der Langeberge gehen. Ich ergatterte einen guten Sitzplatz auf einer direkt vor dem Trecker angebauten Plattform. Damit hatte ich freie Sicht in alle Richtungen. Langsam schraubten wir uns den Berg hinauf, genossen immer wieder die wunderbaren Ausblicke auf das umgebende Land und auf den höchsten Berg der Kapregion, den Seweweekspoort (2325 m). Als wir auf dem Kamm ankamen, hatten wir einen sagenhaften Blick auf das Hinterland und die Stadt Robertson. Unter uns lag ein Teil der Weinregion des Westkaps. Geprägt wurde das Bild durch sonnige Flecken, wo sich die Sonnenstrahlen durch die dichte Wolkendecke einen Weg gebahnt hatten. Und alles war grün, keine kargen Felsen, wie ich sie am frühen Morgen vom Zug aus gesehen hatte.

Pech hatten wir heute allerdings mit dem Wetter. Es zog sich noch weiter zu, auch die letzten Sonnenstrahlen in der Ebene verschwanden und es regnete von einer Minute zur anderen. Für Südafrika sicher ein Segen, für uns Touris natürlich nicht so schön. Bei gerade einmal siebzehn Grad wurde es schnell kalt. Wir hielten uns also nicht so lange auf dem Gipfel auf und fuhren zu einer kleinen Berghütte, die auf halber Höhe lag. Hier brannte ein Kaminfeuer und es war urgemütlich. Innerlich wärmten wir uns mit einem Muskadell, der mir wie Hustensaft schmeckte. Neil Burger fährt nicht nur Touristen auf den Berg, das macht er nur nebenbei, wenn auf der Farm keine Arbeit ist. Sein Hauptgeschäft ist die Proteenfarm. Die Proteen gedeihen in südafrikanischem Buschland und in Gebirgsregionen und hin und wieder konnten wir eine Blüte am Wegrand entdecken. Der Blütennektar wird von Bienen, Vögeln und kleinen Säugern gefressen. Die auffallenden Blüten der Königsprotea können einen Durchmesser von zwanzig Zentimetern erreichen. Sie ist die Nationalblume Südafrikas und wird in großem Stil exportiert. Allerdings ist das ein sehr schwieriges Geschäft. Schon früh hatten Siedler probiert, die Protea zu züchten, aber alle Versuche misslangen. Sie wollten aufgeben, nachdem ein Buschfeuer einen ganzen Berghang mit Proteenbüschen vernichtet hatte. Sie ließen das Gelände ungeachtet liegen. Doch im nächsten Jahr grünte und blühte es an diesem Hang in einer ganz besonderen Pracht und endlich konnten die Züchter einen Erfolg verzeichnen.

Durch den beständigen Regen gestaltete sich unser Rückweg eher unangenehm und alle waren froh, als wir wieder im Bus saßen. Wir fuhren über Montagu und den Montagupass nach Ashton. Die Straße war gerade erst wieder frei gegeben worden. Vor zwei Wochen hatte es ein heftiges Unwetter in der Großen Karoo eine Flut ausgelöst, die durch das Tal gebraust war und erhebliche Schäden im Ort angerichtet hatte. Ganze Häuser waren weggerissen worden und die Brücken der Passstraße waren beschädigt. Noch sehr deutlich konnten wir die Spuren sehen, vor allem am Gestrüpp und Unrat hoch oben in den Bäumen. Durch die wieder geöffnete Straße ersparten wir uns dennoch einen Umweg von über 180 Kilometern. In Südafrika mit dem Bus eine knapp dreistündige Fahrt.

In Ashton hielt sich der Zug nicht mehr lange auf. Wir verließen den Ort und konnten bis zum Einbruch der Dunkelheit die abwechslungsreiche Landschaft genießen. Unser nächstes Ziel ist die kleine Stadt George an der Gardenroute.