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Das Zebra am Swimmingpool

Mein erster Tag in Südafrika

Pretoria ist eine moderne Stadt mit unglaublich vielen Museen, Galerien und abwechslungsreicher Gastronomie. Die südafrikanische Regierung legt sehr großen Wert auf die Ursprünglichkeit und deshalb heißt die Jacarandastadt heute Tshwane. Für europäische Zungen ein ungewöhnlicher Ausdruck. Tshwane ist Regierungssitz und die vier Universitäten bilden einen lebendigen Gegenpol zu der eher konservativen Administration.

Ein Flughafen ist ein internationaler Ort, ein lebendiger Ort, an dem jedoch das eigentliche Land noch nicht zu spüren ist. Aber hier in Tshwane, als wir am Church Square aussteigen, da ist das Land zu spüren. Hier bin ich die Exotin, die einzige Weiße und vielen Schwarzen. Als ich aus dem Bus steige umfängt mich angenehme Wärme. Und auch ein unbestimmtes Gefühl. Es ist Respekt vor dem Unbekannten. Ein abschätzender Blick. Wie werde ich empfangen? Es gibt einen Sicherheitsbeamten am Kruger-Denkmal, in der Mitte des Platzes, unsere Reiseleiterin spricht mit ihm und empfiehlt uns dann, möglichst in der Mitte des Platzes zu bleiben, aufeinander acht zu geben. Sollte dies Afrika sein? Ich gebe zu, ich war viel zu müde nach dem langen Flug und wahrscheinlich hatte dadurch auch meine Aufmerksamkeit ein bisschen nachgelassen. Ich fühlte mich etwas unsicher an diesem fremden und doch faszinierenden Ort. Paul Kruger, südafrikanischer Politiker, in der Mitte des Platzes war von seinen treuen, bewaffneten und schussbereiten Buren umringt, die er in ihrem Kampf gegen Großbritannien anführte. Rund um den Platz erzählt die Architektur ihre eigene Geschichte. Der Old Raadsaal, Ratssaal der Zuid-Afrikaansche Republiek, wurde in einem frühen italienischen Renaissance-Stil erbaut. Im Zeichen des Jugendstils wurde das Café Riche erbaut und ein Zeichen moderner südafrikanischer Architektur setzt das Provincial Administration Building. Ganz allmählich verließ mich dieses anfangs befremdliche Gefühl und meine Neugier wuchs.

Vom Church Square fuhr der Bus über großzügig angelegte Straßen auf den Meintijes Kop. Viele Grünflächen und Parkanlagen liegen an den Alleen und das Regierungsviertel zeichnet sich durch luxuriösen und komfortablen Baustil aus. Hier ist von Armut keine Spur. Dafür konnte ich die Jacarandabäume sehen. Leider war die Blüte schon längst vorbei. Mit ein bisschen Fantasie konnte ich mir trotzdem vorstellen, wie die Stadt aussehen musste, wenn im Oktober und November 70.000 Bäume in der Stadt blühen.

Hoch oben auf dem Meintijes Kop steht der Regierungspalast. In diesem architektonischen Meisterwerk, einem Sandsteingebäude, wurde Nelson Mandela am 10. Mai 1994 als Präsident vereidigt. Seit 1913 ist das Gebäude Regierungssitz. Von diesem Hügel hatte ich eine wunderbare Aussicht auf die Stadt. Besonders beeindruckend sind die terrassenförmig angelegten Gärten, die vom Regierungspalast den Hang des Hügels bis in die Stadt hinunterreichen. Auf jeder großzügig angelegten Stufe gibt es Blumen und Büsche in den leuchtendsten Farben. Viele Menschen waren unterwegs. Teilweise erholten sie sich auf den Bänken und an den Brunnen, aber viele arbeiteten in den Anlagen und pflegten die Gewächse. Es wurde nun ziemlich heiß und der Bus brachte unsere Gruppe zur Heia Safari Ranch, wo wir eine Stunde später empfangen wurden und ich mich über den erfrischenden Fruchtsaftcocktail sehr freute.

Während unser Gepäck auf den Zimmern verteilt wurde, nahmen wir das erste afrikanische Mahl ein. Neugierig nahm ich von allen angebotenen Speisen etwas und probierte. Ich wurde nicht enttäuscht. Die südafrikanische Küche, ein Gemisch aus vielen Kulturen, mundete mir fabelhaft. Diese erste Mahlzeit machte mich zum Fan der Bourewoorst, einer groben Bratwurst, die unter anderem auch Koriander enthält. Das war eine tolle Atmosphäre, strahlende Sonne vor einem stahlblauen Himmel, die warme Luft mit fremden Gerüchen angefüllt, afrikanische Rundhäuser mit Strohdächern und Zebras am Swimmingpool, keine fünf Meter entfernt.

Nach der ausgiebigen Mahlzeit suchte ich mein Zimmer auf. Wobei der Ausdruck maßlos untertrieben ist. In dem Rundhaus hätte ohne Probleme eine vierköpfige Familie Platz gehabt. Gedeckt war das spitze Dach mit Reet. Sehr großzügig war die Raumfläche aufgeteilt. In einem kleinen Vorraum standen ein Schreibtisch und ein kleiner Tisch mit einem Wasserkocher für die Tee- beziehungsweise Kaffeezubereitung. Dies sicher ein Überbleibsel des britischen Einflusses. Vom anschließenden Hauptschlafzimmer konnte ich durch ein kleineres Schlafzimmer das Bad erreichen, auf der anderen Seite war noch ein etwas größeres Schlafzimmer angeordnet. Ich suchte nur noch meinen Badeanzug aus dem Koffer und schnappte mir ein Buch sowie die Kamera. Es war Ende April, ich war in Afrika und ich wollte schwimmen. Was für ein Tag, was für ein Erlebnis. Noch immer kam mir alles eher unwirklich vor. Erst ein paar Stunden war ich hier auf diesem Kontinent und ich fühlte mich mittlerweile so wohl wie zu Hause. Ab in die Sonne. Auf dem kurzen Weg zum Swimmingpool kam ich an einigen Springböcken vorbei, die hier im Safaripark frei herum liefen und quasi die Aufgabe der Rasenmäher übernommen haben. Ebenso wie die Zebras. Am Pool standen einige Liegen bereit und auch Zebras wollten sich an dem kühlen Nass laben. So dachte ich jedenfalls, dass es kühl ist. Vorsichtig steckte ich eine Zehe in das Wasser und befürchtete einen Herzstillstand. Das Wasser war kalt, eiskalt. Es kostete mich sehr viel Überwindung, in das Wasser hinabzugleiten. Nach dem ersten Schock schwamm ich zweimal durch das Becken, dann trieb mich die Kälte aus dem Wasser. Auf einer Liege genoss ich die Sonnenwärme, die langsam meine Haut durchdrang. Ich betrachtete die Umgebung. Große Akazienbäume standen nur ein kleines Stück entfernt. Die Rundhütten waren gut versteckt hinter Büschen. Etwas weiter entfernt grasten Antilopen und Zebras. Das war fantastisch. Ich lag da auf der Wiese und die Tiere standen einfach da, ohne Zaun und Gitter.

Die Kälte hatte einen Teil meiner Müdigkeit vertrieben. Also griff ich zu meinem Buch, ich wollte noch etwas lesen. Plötzlich nahm ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. Ich ließ das Buch sinken und schaute nach links. Das gibt es doch gar nicht, dachte ich. Etwa zehn Meter entfernt stand eine Giraffe und zupfte sich genüsslich die zarten Blätter aus der Krone einer Akazie. Da fiel mir nichts mehr ein, ich lag ganz still und genoss den Anblick meines Lieblingstieres. Mit der rechten Hand angelte ich nach meiner Kamera, die ich neben der Liege abgelegt hatte. Das glaubt mir kein Mensch, schoss es mir durch den Kopf. Ich wartete einfach ab, was passierte. Die Giraffe kam seelenruhig näher heran, suchte sich die schönsten Blätter aus und ließ sich nicht von mir stören. Gut, dachte ich, die kennt den Anblick von Touristen. Das passiert nicht wirklich. Mit nur zwei Meter Abstand zog die Giraffe an mir vorbei. Was für ein Schauspiel.

Am späten Nachmittag brachen wir zu unserer ersten Safari auf. Im offenen Geländewagen wurden wir durch den Wildpark gefahren. Über Stock und Stein, durch ausgetrocknete Flussbetten holperte unser Wagen. Belohnt wurden wir mit fantastischen Blicken auf Zebras, Giraffen, Gnus, Strauße, Oryx-Antilopen, Flusspferde, Springböcke und Elant-Antilopen. Mike erklärte uns die Tierarten und deren Lebensgewohnheiten. Er hatte im Gegensatz zu mir ziemlich viel Ahnung. Sein Englisch war ausgezeichnet, aber ich war noch nicht richtig darauf eingestellt, daher verstand ich nicht besonders viel. Und ich war müde. Das änderte sich blitzartig, als sich vor uns plötzlich ein Wasserbüffel aus dem hohen Gras erhob. Mike trat in die Bremse. Mit diesem Koloss war nun wirklich nicht zu spaßen. Seine geschwungenen Hörner flößten uns Respekt ein. Das letzte Bild dieses Tages war ein White Rhino im Sonnenuntergang. Nach einem ausgezeichneten Büfett und einem kalten Windhoek-Lager fiel ich ins Bett.

© powerwriter / eb