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Aussichtspunkt und Wachtposten

 

Es ist Sonntagnachmittag, der Gärtner hat soeben seine Arbeit beendet und wir können das Haus verlassen. Alex begleitet uns und wir brechen zu einer weiteren Spazierfahrt auf. Unser Ziel ist der Signal Hill in Kapstadt. Mal die Stadt aus einer anderen Perspektive sehen und schauen, was hinter dem Hügel liegt. Bis an die Stadtgrenze ist wenig Verkehr. Dann scheint es so, als hätten sich alle um die großen Kreuzungen zum Stelldichein versammelt. Der Verkehr ist dicht und nur zögernd geht es voran. Alle scheinen die Sonne genießen zu wollen und spazieren zu fahren. Wir arbeiten uns langsam die Kloof Street hinauf und können bald entgegen dem Trend zum Signal Hill abbiegen. Die meisten fahren in die andere Richtung zum Tafelberg. Schon auf der Serpentinenstraße können wir unbeschreibliche Blicke in die Tiefe werfen. Oben angekommen müssen wir Alex an die Leine nehmen, da Hunde im Naturschutzgebiet nicht frei laufen dürfen. Es sind außergewöhnlich viele Parkwächter an der Straße und am Parkplatz und ich habe keine Lust auf eine Konfrontation, die sich vermeiden lässt. Wir laufen mit Alex ein paar Meter und er ist hin und weg von den vielen neuen Gerüchen, die auf seine empfindliche Nase treffen. Besonders angetan haben es ihm die Perlhühner, die pickend durchs Gras laufen. Nun können wir sehen, was einige Südafrikaner außer dem Brandungsangeln und dem Kitesurfen noch so treiben. Mit dem Gleitschirm über der Küste schweben, muss auch ein beeindruckendes Erlebnis sein. Zwei schweben über den Nobelvororten Kapstadts, andere sind noch dabei, ihre Schirme vorzubereiten, wieder andere packen ihre Sachen schon zusammen.

Der 350 Meter hohe Signalberg überschaut die Vororte Mouille Point, Sea Point und Green Point. Täglich, außer sonntags und, wenn der Signalberg-Marathon gelaufen wird, hallt ein Kanonenschlag wider: die Noon Gun (Mittagskanone). Dies ist ein 18-Pfund glatter Vorderlader, und trägt das Monogramm des englischen Königs Georg III. Mit dem Kanonenschlag wurde einst die Zeit angedeutet und dies gab den Schiffen in der Tafelbucht die Chance, ihre Chronometer zu setzen. Ursprünglich wurde sie um ein Uhr abgefeuert. Die Einführung moderner Uhren 1925 machte Glocken und „Noon Gun“ unnötig. Aber, der Kapstädter wollte auf seinen Kanonenschlag zur Mittagsstunde nicht verzichten und so ist die Tradition bis heute erhalten geblieben.

In den Tagen der kapholländischen Gesellschaft stand eine kleine Hütte auf dem Bergkamm zwischen Tafelberg und dem Signal Hill. Sie bot zwei Wachtposten Schutz, deren Aufgabe es war, die Feste sofort zu alarmieren, sollten sich Schiffe der Bucht nähern. Ein Soldat hielt, den Kommandostab fest in der Hand, oben auf dem Berg Wache. Sobald er ein Schiff gesichtet hatte, gab er dem Wachtposten unten ein Signal: er streckte den Arm aus. Sein Kamerad machte sich sofort auf den Weg zur Feste, während der Posten auf dem Berg nun eine Fahne hisste und ein 2-Pfund Geschütz feuerte. Pro Schiff gab es einen Schuss. Durch diese Signale wusste die Besetzung der Feste genau, wie viel Schiffe sich näherten. Gleichzeitig befahl der Gouverneur das Hissen einer Geheimfahne auf dem Berg, um holländischen Schiffen anzudeuten, dass das Kap noch holländischer Besitz war.

Von hier oben können wir auch einen Blick auf die gigantische Baustelle des neuen Fußballstadions werfen, das für die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika gebaut wird. Das ist schon enorm, was da verbaut wird. Umgeben von den Nobelvierteln liegt das Stadion zentral zur Waterfront.

Auf der anderen Seite des Signal Hills haben wir einen herrlichen Blick über Kapstadt. Nicht so hoch wie vom Tafelberg, aber dafür können wir ohne Mühe markante Punkte in der Stadt ausmachen. Ein Stückchen weiter liegen uns der Hafen und die Waterfront zu Füßen und in der Ferne können wir das Millpark-Center von Milnerton erkennen. Als wir genug Bilder geschossen haben und Alex nichts mehr zu schnüffeln findet, machen wir uns auf den Weg zum Beginn der Passstraße und biegen zu den Nobelvierteln ab. Über enge Serpentinen schlängeln wir uns am Lions Head entlang durch Wohnstraßen, deren Häuser hinter hohen Mauern umgeben sind, die zum größten Teil aber von blühenden Hibiskussträuchern, Bougainvilleen und Strelitzien verdeckt sind. Langsam nähern wir uns der Küstenstraße. Wir erreichen Clifton mit seiner etwas ungewöhnlichen Einteilung der Strände, die von eins bis vier durchnummeriert und nur durch steile Treppen zu erreichen sind. Strand eins gehört den Trendsettern, Strand zwei dem Jungvolk, Strand drei den Körperbetonten und Strand vier den Familien. Noch einen anderen Strand gibt es, Moses Beach, hier finden sich alle ein, die sich an den anderen Stränden deplatziert vorkommen. Die breite Strandpromenade, auf der sich Wege, Sitzbänke und Spielplätze abwechseln, ist dicht bevölkert, einen Parkplatz zu bekommen gleicht einem Sechser im Lotto. Wir fahren weiter und kommen nach Sea Point. Hier zeigt sich das gleiche Bild, aber kurz nach dem Ortsende zweigt eine Straße zu einem Strandparkplatz ab. Wir machen noch eine kleine Rast an einem der vier Fels-Strände, die alle über ein Gezeitenbecken verfügen. Auf hohen Felsen sitzen wir und genießen die Brandung, sehen den Surfern zu und freuen uns über den schönen Tag.

Die Sonne geht langsam unter und es wird kühl. Zeit für uns, mit Alex wieder nach Hause zu fahren. Dicht ist der Verkehr, als wir an der Waterfront entlang wieder nach Milnerton steuern.

 

© Evelyn Barenbrügge